Saul 2007
"Ein Krimi in St. Egidien! Mit dem Bibelthriller Saul, dem Drama der Eifersucht und des Neides um den alten Herrscher und seinen jugendlichen Gegenspieler David, gelang Claudia Doderer szenisch eine Trouvaille. «Das Auge freimachen, damit es besser hören kann» war der Bühnenarchitektin und Regisseurin hellsichtige Devise. Sehr sparsam ging sie mit Requisiten um, mied jegliche Bilderfülle. Mit transparenten Stoffbahnen zauberte Claudia Doderer mit Licht und Farben viel Atmosphäre in den sakralen Raum. Das verdeutlichte zugleich visuell die von Gefühlen und Leidenschaft redende Musik Händels. Auf der Bühne agierten mit sparsamen Gesten märchenhaft kostümiert (Achim Freyer lässt grüßen) die singenden Mitstreiter. ...
Kernig, griffig und expressiv ließ Pia Praetorius die historisch artikulierten Klänge des Münchner Barockorchesters L’arpa festante leuchten. Die Kantorin hatte «ihren» Händel wahrlich im Blut und in den Fingerspitzen. ...
Georg Friedrich Händels musikalische Porträtkunst feierte in der mit viel Sorgfalt vorbereiteten Aufführung Triumphe. Große Begeisterung beim Publikum."
Nürnberger Zeitung vom 24.9.2007
"Und es bleibt eine tadellose musikalische Umsetzung. Kantorin Pia Praetorius hat das Barockspezialisten-Ensemble «L’Arpa Festante» aus München geholt und feuert es vom Pult aus an, hat jedes Wort ihres Egidienchors auf den Lippen – auch der mit einer beeindruckenden Leistung. Matthias Horn ist ein Bass mit den Abgründen dieser zerrissenen Saul-Figur, in strahlenden Höhen glänzt sein gottgefälliger Nachfolger David mit dem englischen Counter-Tenor Alex Potter, Staatstheaterformat hat auch hier Tilman Lichdi als Jonathan.
Vor vollem Haus ließ die musikalische Spannung über mehr als drei Stunden kaum nach. Für das geistliche Drama des Barock erwies sich Nürnbergs einzige Barockkirche als idealer Spielort."
Nürnberger Nachrichten vom 24.9.2007